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Ländertreffen Herz-/KardioMobil: Austausch,
digitale Innovationen und ein gemeinsames Ziel

Wie kann die Versorgung von Menschen mit Herzinsuffizienz nachhaltig verbessert werden? Welche Chancen bieten Disease-Management-Programme und telemedizinische Lösungen? Und wie können bisherige Erfahrungen genutzt werden, um die Versorgung gemeinsam bundesweit weiterzuentwickeln?

Mit diesen Fragen beschäftigten sich die Teilnehmer*innen beim Ländertreffen Herz-/KardioMobil am 14. Oktober 2026 in der Stiegl-Brauwelt in Salzburg. Im Mittelpunkt des von AVOS organisierten Treffens standen der fachliche Austausch, aktuelle Entwicklungen in der telemedizinischen Betreuung und die gemeinsame Weiterentwicklung der HerzMobil-Programme in Österreich. Das Ländertreffen findet jährlich in einem anderen Bundesland statt, 2026 wurde es in Salzburg von AVOS organisiert.

Integrative Versorgung und Telemedizin

Den inhaltlichen Auftakt des diesjährigen Ländertreffens bildete die Keynote „Warum braucht Herzinsuffizienz Disease-Management-Programme?“ von Univ.Prof. Dr. Gerhard Pölzl, Ärztlicher Leiter HerzMobil Tirol. In seinem Vortrag verdeutlichte er die medizinische und gesundheitspolitische Bedeutung einer strukturierten, kontinuierlichen und sektorenübergreifenden Betreuung von Menschen mit Herzinsuffizienz. Ein zentraler Baustein sei dabei die interdisziplinäre Zusammenarbeit der beteiligten Gesundheitsberufe, ergänzt durch den gezielten Einsatz von Telemedizin. Ziel sei es, Patient*innen bestmöglich im Umgang mit ihrer Erkrankung zu unterstützen, Komplikationen frühzeitig zu erkennen und die Versorgungsqualität langfristig zu verbessern.

Dringender Handlungsbedarf

Wie dringend der Handlungsbedarf ist, zeigte Dr. Pölzl anhand der Krankheitsprognose und der hohen Belastung des Gesundheitssystems: Die Zahl der Erkrankungen nimmt deutlich zu, gleichzeitig sind häufige Krankenhausaufenthalte für viele Betroffene Teil des Krankheitsverlaufs. „Diese Erkrankung kann absolut tödlich sein – die 5-Jahres-Überlebensrate ist vergleichbar mit den meisten Krebserkrankungen“, betonte Dr. Pölzl. Allein in Österreich komme es jährlich zu rund 27.000 Krankenhausaufnahmen aufgrund von Herzinsuffizienz. Die damit verbundenen Aufenthalte verursachten nicht nur eine hohe Belastung für die Patient*innen, sondern auch erhebliche Kosten für das Gesundheitssystem. „Rund drei bis vier Prozent des gesamten österreichischen Gesundheitsbudgets werden rein für die Behandlung von Menschen mit Herzinsuffizienz aufgewendet“, erläuterte der Experte. Ein Großteil dieser Ausgaben entfalle auf Krankenhausaufenthalte: Rund 70 Prozent der herzinsuffizienzbedingten Behandlungskosten würden dadurch verursacht.

Krankenhausaufenthalte steigern Sterberisiko

Besonders problematisch sei dabei die hohe Zahl an Wiederaufnahmen. Denn je häufiger Patient*innen erneut im Krankenhaus behandelt werden müssen, desto höher ist auch ihr Sterberisiko. Umso wichtiger sei es, durch eine kontinuierliche Betreuung und frühzeitige Interventionen eine Verschlechterung des Gesundheitszustands möglichst zu verhindern. Einen wesentlichen Beitrag dazu können Disease-Management-Programme leisten. Sie ermöglichen eine strukturierte Begleitung über die Grenzen einzelner Versorgungsbereiche hinweg und schaffen die Voraussetzungen dafür, Veränderungen des Gesundheitszustands frühzeitig zu erkennen und rasch darauf zu reagieren. Dass insbesondere die Telemedizin dabei eine wichtige Rolle spielt, werde durch zahlreiche Studien belegt, die sowohl einen Rückgang der Krankenhausaufenthalte als auch eine Verringerung der Sterblichkeit zeigen.

Telemedizin für mehr Versorgungsgerechtigkeit 

Neben dem medizinischen Nutzen hob Dr. Pölzl auch die Bedeutung der Telemedizin für eine gerechte Gesundheitsversorgung hervor. Sie könne dazu beitragen, eine hochwertige Betreuung unabhängig vom Wohnort zu ermöglichen und Versorgungslücken zu schließen. Er sprach sich für die Einrichtung österreichweiter, interdisziplinärer Telemedizinzentren aus.

Lösungsorientierte Talkrunde

Bei der anschließenden Talkrunde „Herzinsuffizienz – Disease-Management-Programme in Österreich: quo vadis?“ diskutierten Peter McDonald, Dienstgebervertreter sowie aktuell Vorsitzender des Verwaltungsrats in der ÖGK, Univ.Prof. Dr. Gerhard Pölzl und Mag. Renate Reingruber MBA, Institutsvorständin des LIV-Tirol (Landesinstitut für Integrierte Versorgung Tirol) unter der Moderation von AVOS-Geschäftsführerin Mag. Angelika Bukovski, MIM, MBA über den aktuellen Stand und die zukünftige Ausrichtung der Disease-Management-Programme in Österreich.

Einheitliche Versorgung in Österreich als Ziel

Im Mittelpunkt standen gemeinsame Perspektiven, bestehende Herausforderungen und konkrete Möglichkeiten zur Weiterentwicklung. Als zentrale Ziele wurden die Erhebung vergleichbarer Daten über alle Bundesländer hinweg sowie eine hochwertige Versorgung von Menschen mit Herzinsuffizienz in ganz Österreich hervorgehoben. Einheitliche Qualitätskriterien und abgestimmte Prozesse sollen dazu beitragen, die Versorgung langfristig zu verbessern und österreichweit vergleichbare Standards zu schaffen.

Peter McDonald unterstrich in diesem Zusammenhang das gemeinsame Engagement von Bund, Ländern und Sozialversicherungsträgern: „Es gibt das Commitment, vom Pilotprojekt in eine regelbasierte Versorgung zu gelangen.“ Nun gelte es, gemeinsame Lösungen für ganz Österreich zu entwickeln. McDonald appellierte insbesondere an jene Bundesländer, in denen bereits etablierte Versorgungsstrukturen bestehen, sich zusammenzuschließen und einen Vorschlag für eine bundesweit einheitliche Lösung zu erarbeiten. Für das Voranbringen der weiteren Umsetzung und die notwendige politische Unterstützung sicherte er seine Unterstützung zu.

Das Potenzial digitaler Technologien 

Ein weiterer Schwerpunkt lag auf digitalen Innovationen in der Gesundheitsversorgung. Die Vortragenden Dr. Alexander Kollmann, E-Health-Beauftrager Land Salzburg (Abteilung 9), DI Peter Kastner, MBA und DI Dr. Robert Modre-Osprian von der TELBIOMED Medizintechnik und IT Service GmbH stellten aktuelle Entwicklungen vor. Diese zeigen, welches Potenzial digitale Technologien und Telemedizin für eine patient*innenorientierte Betreuung bieten.

Ergänzend dazu gaben die Pflegekoordinator*innen der Bundesländer Einblicke in ihre Erfahrungen aus der Praxis. Die Berichte aus den Bundesländern machten deutlich, wie wichtig der regelmäßige Austausch und die Zusammenarbeit über regionale Grenzen hinweg sind. Auch die Weiterentwicklung des HerzMobil-Tools war Thema des Treffens. Das Update zu aktuellen Neuerungen bot Gelegenheit, sich über technische Entwicklungen und deren Bedeutung für die tägliche Arbeit auszutauschen.

Das Ländertreffen machte einmal mehr deutlich: Eine gute Versorgung von Menschen mit Herzinsuffizienz lebt von der Zusammenarbeit unterschiedlicher Berufsgruppen, dem Teilen von Erfahrungen und der Bereitschaft, neue Wege zu gehen. Durch die Verbindung von medizinischer Expertise, pflegerischer Begleitung und digitalen Möglichkeiten schaffen die Herz-/KardioMobil-Programme wichtige Voraussetzungen, um die Versorgung kontinuierlich weiterzuentwickeln.

Am Bild (v.l.n.r.): Univ.Prof. Dr. Gerhard Pölzl von HerzMobil Tirol, DI Peter Kastner, MBA, Geschäftsführer der TELBIOMED Medizintechnik und IT Service GmbH, Prim. Priv.-Doz. Dr. Johann Altenberger, ärztl. Leiter Rehabilitationszentrum Großgmain sowie Gründer und ärztlicher Leiter von Kardiomobil (PLUS) in Salzburg, Dr. Alexander Kollmann, E-Health-Beauftrager Land Salzburg (Abteilung 9), AVOS-Geschäftsführerin Mag. Angelika Bukovski, MIM, MBA, Peter McDonald, Dienstgebervertreter sowie aktuell Vorsitzender des Verwaltungsrats in der ÖGK, DI Dr. Robert Modre-Osprian, Geschäftsführer der TELBIOMED Medizintechnik und IT Service GmbH, Mag. Renate Reingruber MBA, Institutsvorständin des LIV-Tirol (Landesinstitut für Integrierte Versorgung Tirol) und Dr. Wolfgang Reiger, Landesstellenausschussvorsitzender der ÖGK Salzburg. Foto: AVOS

Weitere Informationen

Das Ländertreffen Herz-/KardioMobil findet jährlich in einem anderen Bundesland statt, 2026 wurde es in Salzburg von AVOS organisiert. Mit Kardiomobil und Kardiomobil PLUS setzt AVOS ein österreichweit einzigartiges Vorsorgemodell um: Durch das Zusammenspiel beider Programme steht erstmals eine abgestimmte Versorgungskette zur Verfügung, die unterschiedliche Bedürfnisse von Menschen mit Herzinsuffizienz gezielt abdeckt.

Das bereits seit 2004 bestehende Kardiomobil unterstützt Menschen mit Herzinsuffizienz durch individuelle Beratung, Schulung und Betreuung zu Hause. Die Aufnahme erfolgt nach Zuweisung durch eine niedergelassene Ärztin bzw. einen niedergelassenen Arzt oder eine Herzinsuffizienz-Ambulanz. Die Finanzierung übernehmen die Sozialversicherungsträger ÖGK, BVAEB und SVS.

Mit Kardiomobil PLUS wurde das Angebot 2025 um eine telemedizinische Versorgung für besonders gefährdete Patient*innen erweitert. Hochrisikopatient*innen mit Herzinsuffizienz oder Patient*innen mit Herzinsuffizienz und erhöhtem Risiko können nach einem Krankenhausaufenthalt direkt von den Kliniken in das Programm überwiesen werden. Die persönliche Betreuung wird dabei durch digitale Geräte ergänzt, mit denen relevante Vitalparameter engmaschig überwacht werden. Die Finanzierung erfolgt über den Salzburger Gesundheitsfonds (SAGES).


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